Ich hatte einen langen Beitrag verfasst, mich wahrscheinlich in Rage geschrieben.
Nach dem Abendessen nahm ich ihn erst mal wieder aus dem Netz, das so undurchsichtig ist, dass ich nicht noch mehr Verwirrung darin verursachen möchte und somit auch nicht das Bild einer “Spinnerin” abgeben möchte.
Nehme ich es mit Humor, werde ich diese Ergüsse nochmals überarbeiten und in einer vielleicht kürzeren Fassung veröffentlichen. Ich muss mich an diesen Stil der kurzen Infos, die prägnant, kaltschnäuzig und dann noch informativ sein sollen, erst gewöhnen.
Dennoch – meine Meinung bleibt, die Stellung des Antiquariats in den heutigen Tagen müsste wieder an Selbstverständlichkeit, Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung gewinnen. Zu viele Abhängigkeiten auf Plattform-Ebene, zu wenig Kundenkontakt. Die Ware Buch sollte wieder einen anspruchsvollen Stellenwert erhalten.
Ein sehr lesenswerter Beitrag im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels, Rubrik “Antiquariat” ist jener des Herrn O.W. Plocher
desweiteren die Ansichten, Fragestellungen und Antworten des Antiquars R.F. Meyer in seinem Blog.
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Etwas überarbeitete Fassung – heute, 18. April 2009
Nach dem überarbeiteten Beitrag von gestern möchte ich mich nun kurz fassen, es aber dennoch nicht unterlassen, zu dem Stellung zu nehmen, was mich gestern so in Rage versetzte.
Es geht schon lange um in der Bücherwelt, die sich mehr oder weniger dem Internet verschrieben hat, – diese Unzufriedenheit, dieses Erfahren von Abhängigkeiten, in die wir immer mehr geraten, immer mehr in kleinen Häppchen verzehrt man uns. Einige spüren es, andere drehen noch mit am Rad der Großen, die einst für die Antiquare eine Plattform schafften, so dass sie ihre Bücher, ihre gesammelten und oft auch teuer erworbenen Schätze einem breiteren Publikum näher bringen konnten.
Es war ein Paradies für Sammler, Käufer wie Verkäufer und als ich 2000 meine ersten Schritte auf die “Platte” des zentralen Verzeichnisses legte, musste ich ein anständiges Geschäft vorweisen, mit Steuernummer, Geschäftsadresse und allem was dazu gehört, denn wie hieß es doch im freundlichen Schreiben: ” Hier können nur professionelle Antiquariat ihre Bücher anpreisen oder so ähnlich”. Auch wenn der Wortlaut nicht ganz stimmig ist, so habe ich es jedoch genau so verstanden. Und fand das auch gut so, denn ich wusste ja, wo ich hin wollte.
Nicht dahin, wo man das große und schnelle Geld verdient, sondern da hin wo man alleine schon beim Schauen und beim Angebot der Bücher in Verzückung gerät, auch wenn man sich nicht unbedingt viel leisten kann, wenn man ein Geschäftchen aufbauen will. Aber man weiß, es ist noch da, dieses wunderbare Kulturgut, diese Schriftwerke und diese faszinierende Kunst der Buch- und Einbandgestaltung.
Es wurde mir bewusst, dass man als Buchhändlerin noch lange keine Antiquarin ist, dazu gehört ein wenig mehr Wissen und auch andere Interessen. Doch es war ja immer mein Bestreben, dieses zu erlernen, auch wenn ich mir erst spät den Wunsch erfüllen konnte. Lange Zeit arbeitete ich im Stillen, so ganz für mich, baute mir einen kleinen Kundenstamm auf, der mir eigentlich immer noch treu ist, füllte meine Regale, änderte dies und jenes, erwarb und verwarf und erlebte auch sehr harte Zeiten, das darf man heutzutage ruhig zugeben, – Zeiten, die meine Existenz bedrohten.
Ich glaubte zu wissen oder zu erahnen, dass Geduld eine Tugend der “Büchermenschen” sein müsse und übte mich darin.
Soweit so gut, es ging bergauf und wieder bergab, doch ich hatte und habe ein Ziel!
Erst vor ca 1 1/2 Jahren kam ich mehr oder weniger in den Genuss, eine sogenannte Kollegenschaft kennenzulernen. Zuerst hoch erfreut, zwischendrin erschüttert, jetzt mit Reife die Spreu vom Weizen getrennt, und froh in den meisten Fällen meine Contenance bewahrt zu haben, – kann ich mich bei Bedarf mit anderen Büchermenschen austauschen. Darunter gibt es Kollegen, die mich mit ihrem Wissen unterstützten, deren fachliche Kompetenzen meinen Respekt fordern und die dennoch nicht mit professioneller Herablassung einer Späteinsteigerin begegnen. Jene sind die Wege schon gegangen, die ich jetzt vor mir habe (heute unter viel schwierigeren Bedingungen), doch manche lassen einen noch teilhaben am Wissen, sie verschanzen sich nicht hinter dem Dünkel der einigen anhaftet und raten und beraten.
Diese Menschen machen für mich den “wahrhaft gebildeten” Teil unter der Kollegenschaft aus!
Das “Antiquariat” gibt es noch, und nicht nur unter den seit langen Jahren etablierten alteingesessenen Antiquariaten. Viele Menschen arbeiten im Stillen an ihrer Passion, viele sind eher introvertiert als extrovertiert, schrecken aber zurück vor Ignoranz und Standesdünkel, wenn sie dann wagen sich unter die sogenannten “Ihresgleichen” zu bewegen. Jeder intelligente Kollege mit etwas Herzensbildung sollte einem anderen Raum geben, der sich bemüht dem gerecht zu werden, was man als Grundlage für die Bezeichnung “Antiquariat” und “Antiquar” seit langen Zeiten für Standard hält.
Jene, die sich bemühen, gehen jedoch unter in der Masse jener, denen es gleich ist, ob sie Standards einhalten oder nicht, die nur noch die Masse der Ware Buch vor Augen haben, – sie “verhökern” lieblos alles, was andere vielleicht jahrelang sammelten, sie müssen heutzutage auch auf den gepriesenen antiquarischen Plattformen nicht mehr professionell sein, sie müssen nur Massen heranschleppen, stümperhaft eintippen ohne jegliche Kontrolle und sie sind es, die den Betreibern die bare Münze liefern. Es sind nicht mehr die Antiquariate die es schaffen, denn mittlerweile sind einige der Antiquare aufgewacht und sich des Wertes eines Buches absolut bewusst. Letztere lassen sich dann nicht von Dumpingpreisen beirren und setzen den Preis für ein Buch ein, den sie nach ihrer Recherche für wert befinden. Auch auf die Gefahr hin, dass es im Regal bleibt.
Dieser Preisverfall, dieser Wertverfall von Kultur- und Bildungsgut spiegelt schon die Zeit, doch das Buch hat schon ewige Zeiten überdauert, Kriege, Brandschatzungen, Verbrennungen, Vernichtungsversuche – es ist immer noch da und mit ein bisschen Mut und Bescheidenheit sollte man sich der Bezeichnung “Antiquariat” wieder bewusst werden.
Sollten einige, wenn es eben möglich ist, ihre Lage überdenken, ihre Abhängigkeiten zählen und dem weiteren Verfall und der zunehmenden Entmündigung entgegentreten. Büchermenschen sind doch diejenigen, die oft jahre- jahrzehntelang Wissen speichern, und nun sollen jene, die vielleicht fünf Jahre brauchten, eine Software (leichte Ware, ironisch übersetzt) zu basteln, uns unser Wissen und unsere Arbeit abnehmen und wir zahlen dafür, dass wir eigentlich nur noch Nummern sind, die von diesen Internet-Bestellungen leben sollen/müssen.
Ich bin der Meinung, dass es andere Wege neben diesen geben muss. Dass wir unsere Selbstständigkeit wieder erlangen und unser Wissen wieder dem Kunden näher bringen dürfen – auch jene unter den Antiquaren, die kein Ladengeschäft betreiben können (was oft unter betriebswirtschaftlichen Bedingungen in der heutigen Zeit nur Russisch-Roulette wäre).
Nicht alle Kollegen haben nur einen Buchbestand im hohen Preissegment, viele verkaufen Bücher zu günstigen Preisen, auch ich – doch ist mir und einigen der Kollegen dann auch noch das sogenannte “kleine Buch” eines mit Würde zu beschreibenden. Dem Kunden, der eine “antiquarische Plattform” besucht und sich umschauen möchte, werden sich teilweise die Haare sträuben und ich weiß es von einigen meiner Kunden, die mich dann schon lieber mit ihrem Buchwunsch beauftragen, als dass sie sich durch die immer unüberschaubare Masse von Dachbodenfunden quälen. Es ist so wie es ist doch soll es auch so bleiben?
Die Datenbanken der Plattformen arbeiten meist gut und es steckt auch Arbeit dahinter, dem ist nicht entgegen zu sprechen, doch die Gier wird grösser und das kleine Rad im großen Getriebe wird immer trauriger und verkümmert, gibt manchmal sogar auf.
Solidarität ist kaum vorhanden, man muss schon Geduld haben und die Stecknadeln im Heuhaufen suchen. Man muss bescheiden werden, will man seinen Traum nicht verlieren und auf manches verzichten. Aber es geht, ich mache das schon seit Jahren so und bin glücklich in meiner Bescheidenheit, wenn ich diesen meinem Traum wieder ein bisschen näher gekommen bin.
Mich kann man nicht mehr locken mit Probeabonnements, mit Vorgaukeln von noch mehr Verkäufen, mit Vereinfachungen in der Bearbeitung meiner Kataloge. Ich bin dazu übergegangen vieles selbst zu machen. Ich betreibe eine eigene Homepage, so wie sie mir gefällt und es ist mein virtuelles Antiquariat, (auch wenn ich meist alleine darin bin), die Menschen sind die großen Kaufhäuser gewohnt. Das Laute, das Schrille, die “Supergeilen” Angebote und da Geiz ja so geil ist, kauft man sich mit großer Überlegenheit das Buch zu 1 Cent, dass ja dann nicht mehr zu unterbieten ist.
Meine Existenz trägt sich aus dem Verkauf von Büchern. Dennoch ist es mir ein Privileg, das ich mir erhalten habe, nicht mit allen Mitteln zu verkaufen, nicht mit allen Mitteln auch noch dazu beizutragen, dass ein ehrwürdiges Gewerbe im Müll untergeht und nicht überall zu verkaufen.
Es gibt Ausnahmen unter den Anbietern der Buch-Plattformen, die uns Luft zum Atmen lassen, doch sie sind zu klein, als dass sie Gewicht hätten, jene sollte man fördern, an die Kunden herantragen. Der Wille ist da, doch man muss ein wenig mithelfen.
Das Antiquariat ist ein Zusammenspiel von Kultur, Bildung, Geschichte und auch etwas Betriebswirtschaft, doch die Betriebswirtschaft sollte im Angesicht des Zerfalls eines Berufszweiges nicht an erster Stelle stehen.
Wir müssen versuchen, dem Kunden, der es noch schätzt als Mensch wahrgenommen zu werden – zu zeigen, dass wir nicht der geldgierige Haufen Altpapierhändler sind, als der wir neuerdings vielfach in Presse und Medien erscheinen.
Da hilft aber nicht nur jammern und wehklagen, da hilft nicht nur das Ausruhen auf gesichertem Bestand und gesichertem Kundenstamm, da hilft auch kein Snobismus und keine Selbstüberschätzung – da ist etwas mehr Solidarität gefordert, sonst werden zu viele untergehen, – auch jene, die nach allen Regeln der Kunst zu arbeiten versuchen.
Ich habe diesen Beitrag ohne jeglichen professionellen Anspruch geschrieben, andere können das mit Sicherheit besser ausdrücken, was in dieser Zeit für ein Ungeist herrscht und auf was man sich besinnen sollte. Es sind meine schlichten Gedanken, die meinen Alltag und meinen Beruf bewegen.
Aber ich bin bereit etwas zu verändern!
Doch sind die Anbieter der großen Datenbanken auch bereit, dem antiquarischen Buch und dem Handel mit demselbigen auch wieder Raum für Professionalität zu gewährleisten oder wollen sie lieber an unqualifizierter Massenware durch unqualifizierte Massenanbieter verdienen und sich somit ihren ehemalig gewählten Namens nicht mehr würdig zeigen. Was zählt nun, der Massenmüll (die Quantität) oder gezielt das antiquarische Buch im Handel mit verantwortungsbewussten Verkäufern (Qualität) ?
Was bleibt ist das große Fragezeichen und wie werden wir uns gegen die Fluten verhalten.
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